Auf geologischen Spuren Sonder-Stempel sammeln im Huy
Stromatolithen, Gletschertöpfe, Piepenpal – allein die Höhepunkte der Wanderung 9 auf unserer Luchskarte „Fallstein und Huy“ machen uns neugierig. Wir starten an der Blechbude in unser geologisches Abenteuer! Hier befindet sich der Wanderparkplatz und hier gibt es auch gleich den ersten Stempel. Ohne auch nur einen Schritt gewandert zu sein. Aber das soll sich ja in den vor uns liegenden vier Stunden ändern.


Bakterien als Baumeister
Wir befinden uns in Wilhelmshall auf ehemaligem Bergbaugebiet im Huy, wo 1892 bis 1926 Kalisalze abgebaut wurden – übrig gebliebene Werksgebäude und -wohnhäuser passierten wir schon bei der Anfahrt zum Parkplatz. Eine Tafel vom Förderverein Zwischen Huy und Bruch e.V. verweist auf das von den Mitgliedern konzipierte Wegenetz, zu dem auch unsere Route, der Geologische Pfad West W02, gehört. Allerdings laufen wir diese entgegengesetzt, um schnell zum ersten Höhepunkt der Tour zu kommen. Winzigen Bakterien verdanken wir das Stromatolithen-Riff im Huy. Große Steinblöcke mit nach oben konvexen Wölbungen verschmelzen förmlich miteinander. Und man kann kaum fassen, wie auf natürliche Weise solche Gesteinsformationen entstanden sind, vor sagenhaften 250 Millionen Jahren. Auf bequemem geschotterten Weg und umgeben von herrlichem Laubwald können sich unsere Gedanken zum gerade Gesehenen in Ruhe sortieren. An einer Schutzhütte biegen wir nach rechts ab (geradeaus verläuft das Pendant Geologischer Pfad Ost W03) und wandern zunächst auf einem Kolonnenweg, später links abzweigend wieder auf geschottertem Weg zum Siebertsplatz.


Mysteriöse Gletschertöpfe
Nach einer kurzen Verschnaufpause auf der überdachten Bank suchen wir den richtigen Weg und laufen tatsächlich erst einmal falsch (auf dem Wartenweg), ehe wir den zugewachsenen Pfad ausmachen. Leider können wir auch kein Schild entdecken. Dieser Teil der Wanderung bis zu den Gletschertöpfen verlangt unsere ganze Aufmerksamkeit (Bitte den Hinweis am Ende des Textes beachten). Wir laufen durch hohes Gras, steigen über Brombeertentakeln und weichen Brennnesseln geschickt aus. Nach einem leichten Abstieg treffen wir auf eine Wegekreuzung, leider wieder ohne Ausschilderung, halten uns links (ein Blick auf unsere App KartoGuide Harz hilft) und finden schließlich den Abzweig nach links (hier steht ein Schild) zu den Gletschertöpfen. Und erneut geht es weit zurück in die Vergangenheit. Während einer frühen Eiszeit vor etwa 140 000 Jahren hinterließen ins Gletschereis eingedrungene Schmelzwässer und deren mitgeführte Sedimente, also Kies und Sand, zylinderartige Vertiefungen in den unter der Eisschicht liegenden Felsen. Die Strudellöcher, auch Gletschertöpfe genannt, sind meist durch Steinbrucharbeiten zerstört. Im Huy aber wurde dieses geologische Relikt noch rechtzeitig als wertvoll erkannt und schon 1914 zum Naturdenkmal erklärt – geschützt mit Überdachung und Zaun, aber dennoch zugänglich (Türöffnung an der Seite). Wir holen uns den zweiten Stempel des Tages und nutzen den idyllischen Platz mit zahlreichen Sitzgelegenheiten zur Rast.

Nun geht es vor zur Straße. Tipp: An dieser Stelle ließe sich unsere Route verkürzen, denn nach rechts geht es direkt zur Quelle Piepenpal. Wir aber laufen ein Stück nach links entlang (Achtung Straßenverkehr!), bevor unser Wanderweg nach rechts zurück in den Wald führt. Eine wahre Wohlfühloase bietet sich uns recht bald an den Kollyteichen. Auch sie gehören zu den ausgewiesenen geologischen Punkten der Route und laden uns zum Innehalten förmlich ein.
Weiter Blick ins Harzvorland
Auf breiten Wegen, mal Kolonnenweg, mal überwachsener Schotterweg lassen wir allmählich den Wald hinter uns und schauen schon bald weit ins Land und hinüber zum Windpark Druiberg. Während der dortige Stempel für uns heute unerreicht bleibt, wäre ein Abstecher von unserer geplanten Tour zur Heiketalwarte und damit zum Stempel 10 des Sonderheftes durchaus möglich. Wir müssten etwa zusätzlich fünf Kilometer wandern. Allein unsere zwölfjährige Hündin Lotte hält uns nun doch davon ab.


Wasser auch im Winter
Stattdessen geht es gemächlich bis nach Huy-Neinstedt, für uns eine kulinarische Etappe, denn Pflaumen-, Birnen- und Apfelbäume säumen unseren Weg und die Jahreszeit ist perfekt! In der Dorfmitte finden wir sehr schnell die Quelle Piepenpal mit ihrem erfrischenden Wasser aus dem Karstgebiet des Huys. Das Wasser fließt unaufhaltsam – auch bei Frost! – aus der umgedrehten Tabakspfeife (Piep = Pfeife oder Röhre, Pahl = Pfahl). Tipp: Auf dem ausgeschilderten Quellweg, Nr. 11 auf der Luchskarte, ist man dem lebenswichtigen Element 35 Kilometer lang auf der Spur und kommt beispielsweise zur Froschbachquelle, zur Klopstockquelle und zum Jägerbrunnen.
Wir verlassen den Ort leicht aufwärts, müssen einige Meter auf der Straße entlang gehen, um dann erneut auf sehr bequemem Schotterweg Richtung Wilhelmshall zu wandern. Sodann erblicken wir die Gebäude des ehemaligen Schachts, in denen ab 1948 jahrzehntelang TBC-Patienten und später vorwiegend Nervenkranke Heilung suchten. Wenig später kehren wir zurück zu unserem Ausgangspunkt.
PS: Die fehlende Beschilderung und die zugewachsenen Wege zwischen Siebertsplatz und Gletschertöpfen haben wir dem Tourismusverein Huy-Fallstein gemeldet, der sich mit den Akteuren vor Ort in Verbindung setzen will. Sicher wird schon bald wieder alles in Ordnung sein. Als ehrenamtliche Harzklubmitglieder wissen auch wir, wie aufwendig es ist, alle Wege und Schilder stets im Blick zu haben.

Luchskarte Fallstein und Huy
Wander- und Fahrradkarte
Entdecken Sie mit Hilfe unserer Karte und den enthaltenen 20 Touren zu Fuß oder mit dem Rad die lieblichen Höhenzüge Fallstein und Huy im nördlichen Harzvorland.










