Wernigerode (Hardcover)Impressionen aus der bunten Stadt |
|||
1. Auflage April 2010 155 farbige Abbildungen, 1 Stadtplan 128 Seiten, Format 170 x 215 mm
Fadenheftung Hardcover ISBN 978-3-936185-62-1, 13.80 Euro Fadenheftung Flexcover ISBN 978-3-936185-61-4, 9.95 Euro | |||
| ISBN 978-3-936185-62-1 | |||
|
(Wernigerode, die bunte Stadt am Harz, ist ein Ort für Entdecker, denn sie wartet mit spannender Geschichte, jugendlicher Frische, Tradition und Moderne gleichermaßen auf. Uwe Lagatz und Thorsten Schmidt durchstreiften zwei Jahre lang ihre Heimatstadt, um ein Porträt zu zeichnen, das schließlich zu einer ganz persönlichen Liebeserklärung gedieh.
Im zehnten Jahr der engen Zusammenarbeit von Textautor Dr. Uwe Lagatz, profunder Wernigerode-Kenner in Geschichte und Gegenwart, sowie Bildautor Thorsten Schmidt, Lokalpatriot mit dem bodenständigen Blick des Wahl-Wernigeröders, haben sich nach etlichen wegweisenden Sachbüchern ("Wernigerode - Geschichte • Architektur • Kunst", "Wernigerode - eine Stadt im Spiegel der Jahrhunderte", "Von Wernigerode auf den Harz", Wernigerode - Der lange Weg zur bunten Stadt") jetzt zu einem plaudernd-illustrem Porträt ihrer Heimatstadt zusammengetan. Das Ergebnis ist ein Bildband mit 155 aktuellen farbigen Aufnahmen, einem feuilletonistischen Einleitungstext sowie informationsträchtigen Bildtexten. Den Abschluss bildet schließlich noch ein doppelseitiger Stadtplan, so dass diese Neuerscheinung sowohl den Anforderungen an einen klassischen Bildband als auch an einen Reiseführer gerecht wird. Und, last but not least, wir haben uns wegen der vielen ausländischen Wernigerode-Besucher diesmal zu einer zweisprachigen Ausgabe entschieden: Das Schmökern im neuen Lagatz-Schmidt-Band ist sowohl in deutsch als auch in englisch möglich!
Sie können den Titel gern bei uns kaufen (Lieferzeit 2-5 Arbeitstage). In dem Fall nutzen Sie einfach unser Warenkorbsystem. Schneller geht es meistens bei Online-Buchhändlern wie libri.de oder buecher.de.
Hier ein paar Kostproben:
Wohin zuerst in Wernigerode? Direkt zum Markt, zum viel bewunderten Rathaus oder gleich hoch hinauf zum Schloss? Erst in die belebte Breite Straße oder lieber auf den Klint, den beschaulichen Hügel, auf dem einst die lokale Geschichte ihren Anfang nahm?
Der Sehenswürdigkeiten gibt es viele in der bunten Stadt am Nordrand des Harzes, und so verteilt sich denn auch die Schar der Gäste in den Straßen und Gassen, in den Galerien und Museen, in den Cafés und auf den Spazierwegen rings um den Ortskern. Kaum zu merken ist‘s, dass es etwa zwei Millionen Menschen jährlich sind, die Wernigerode für sich entdecken. Und viele kommen wieder.
Tourismus hat hier Tradition. Doch die „curieusen Personen“, die seit dem 17. Jahrhundert in zunehmender Zahl auf der Suche nach „seltzamen und denckwürdigen Sachen“ den Harz durchstreiften, fanden anfangs wenig Gefallen an der Stadt. Sie besuchten lieber Baumannshöhle und Brocken oder die bekannten Bergwerke des Mittelgebirges. Allenthalben als günstig gelegene Durchgangsstation war Wernigerode den Reisenden ein Begriff. Populärer wurde jene erst ab 1710. Dies allerdings nur, weil der reichsständische und pietistisch gesinnte Graf Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode das hiesige Bergschloss zu seiner festen Residenz auserkoren hatte. Seine Nachfolger taten es ihm gleich, und das war gut für die Stadt. Gäste kamen, den exponiert gelegenen Adelssitz und die dazugehörigen Gärten zu sehen oder die bekannte, schon 1770 mit etwa 30 000 Bänden ausgestattete Bibliothek der gräflichen Familie in Augenschein zu nehmen. Zeitgleich erlebte die Landschaft ringsum ihre romantische Entdeckung. „Die ganze Grafschaft Wernigerode ist ein wahrer Lustgarten“, schrieb 1785 Christian Friedrich Schroeder in seiner „Abhandlung vom Brocken und dem übrigen alpinischen Gebürge des Harzes“, und er fügte hinzu: „Je näher ihrem Mittelpunkte, der Stadt Wernigerode, je schöner und abwechselnder wird diese einem Garten ähnliche bunte Landschaft.“
Bunte Stadt ist Wernigerode seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Rund fünfzig Jahre zuvor waren die ersten Sommerfrischler hierher gekommen – in der Hauptsache industrialisierungsgeplagte Großstädter, die sich nach kleinstädtischer Idylle, Natur und Ruhe sehnten und mit ihren Familien auf Wochen oder Monate blieben. Auch ihnen gefiel die liebliche Umgegend am Rande des Harzes, sie aber erkannten gleichzeitig die Reize innerhalb des Gemeinwesens. „Die altersgrauen Stadtmauern und geborstenen Thürme in derselben, sowie die alterthümliche Bauart vieler Gebäude, geben der Stadt ein eigenthümliches interessantes Ansehen“, konnte man beispielsweise in einem Reiseführer aus dem Jahre 1859 über Wernigerode lesen. Zugegeben, der Lauf der Zeit ging auch an der mittlerweile preußischen Kreisstadt nicht vorbei. Sie wuchs, wurde modernisiert und industrialisiert, behielt jedoch bei all dem ihre über viele Generationen gewachsene Identität. „Wernigerode ist kein schnell emporgeschossener Kur- und Vergnügungsort ... es ist eine geschichtlich gewordene und in naturgemäßer Weise entwickelte Stadt“, schrieb 1900 folgerichtig mit Dr. Eduard Jacobs ein historisch äußerst beflissener Zeitgenosse.
Sieben Jahre später weilte unter tausenden Sommerfrischlern der Schriftsteller und Journalist Hermann Löns in Wernigerode. Sein sechswöchiger Aufenthalt zeigte Langzeitwirkung, veröffentlichte er doch – lebhaft begeistert von Landstrich und Leuten – im Hannoverschen Unterhaltungsblatt vom 30. Mai 1909 eine literarische Plauderei, deren Titel nicht treffender hätte sein können: „Die bunte Stadt am Harz“. In Wernigerode selbst erkannte man damals schnell das touristische Potenzial der Formulierung. Ein Jahr verging nur, dann kauften die Verantwortlichen dem Autor kurzerhand die Nutzungsrechte ab. Eine Wernigerode-Werbung ohne Löns‘ Titel oder Text, das ist seither eher die Ausnahme.
Zier der Stadt und Stolz der Bürger ist das Rathaus. 1277 erstmals beurkundet, begann es seine Vita als Spelhus, als Gemeindehaus. Ursprünglich Eigentum der Grafen von Wernigerode schenkte es deren letzter Vertreter zwei Jahre vor seinem Tod 1427 der Stadt. Nicht lange, dann legten die Bürger los, bauten um und aus. So wartete denn das Gebäude schon im ausgehenden 15. Jahrhundert im Wesentlichen mit dem Antlitz auf, das uns heute gut vertraut ist: steinerner Unterbau, repräsentativer Fachwerkaufsatz und natürlich die passenden schlanken Erkertürme. Rathaus war das Gebäude damals aber noch immer nicht. Erst einige Jahre nachdem das Feuer von 1528 an der Ostseite des Marktes den alten Ratssitz verwüstet hatte, änderte sich dies. Und wieder wurde erweitert und ergänzt. Auch die Folgejahrhunderte hinterließen ihre architektonischen Spuren am Rathaus, speziell aber die Jahre zwischen 1936 und 1939. Seinerzeit entstand aus dem historisch gewachsenen Gebäudekomplex ein regelrechtes Rathausviertel. Das alte Waaghaus aus dem 16. Jahrhundert verlängerte man um das Doppelte, hinzu kamen das im traditionellen Fachwerk aufgeführte Sparkassengebäude sowie ein mehrgeschossiger Flügel zum Klint hin. Stadtbaurat und Provinzkonservator arbeiteten damals Hand in Hand; die wertvolle überkommene Bausubstanz wurde folglich geschont und so harmonisch mit dem Angefügten verbunden, dass es bis heute schwerfällt, spontan Alt und Neu sicher zu unterscheiden. Was seine gegenwärtige Nutzung anbelangt, setzt man im Rathaus ganz auf Tradition: in ihm wird getraut und gefeiert, beraten und beschlossen, gehandelt und mitunter auch gespielt. Wie heißt es doch in dem alten Spruch über dem Hauptportal? „Einer acht‘s, der andre betracht‘s, der dritte verlacht‘s, was macht‘s.“
Und schließlich das Schloss. Reisebuchautor Wilhelm Gröning bezeichnete es 1850 als „die Krone des ganzen Harzgaus“, während Verfasserkollege Gustav Adolf Leibrock zwanzig Jahre später von einer „der schönsten Perlen im Diademe des Harzes“ sprach. Selbst „Wartburg des Harzes“ wurde Schloss Wernigerode schon genannt, und der Komplimente wären noch weitere hinzuzufügen.
120 Meter über dem Zentrum der Stadt, auf einem Sporn des Agnesberges, der früher den Namen Biegenberg trug, erhebt sich das Schloss. Seine schriftlich überlieferte Geschichte reicht bis 1213 zurück. Etwa einhundert Jahre zuvor war das „castrum“ durch die Grafen von Wernigerode begründet worden. Jene zählten zu den mächtigsten Herren des Harzes und nahmen ihren Stammsitz hier. Eine kluge Entscheidung, galt die Burg doch schon 1223 als besonders fest. Diesen Ruf behielt sie, weiter und weiter ausgebaut, bis in die frühe Neuzeit. Noch 1626 taucht die Wehranlage – nunmehr knapp zweihundert Jahre im Besitz der Grafen zu Stolberg – in den Annalen als „Frontir“, also als Festung auf. Ihrer militärischen Karriere setzte schließlich die zunehmende Kraft der mauerbrechenden Feuerwaffen in den stürmischen Zeiten des Dreißigjährigen Krieges ein Ende. Neuer Glanz zog erst im 18. Jahrhundert in die alten Mauern ein, als die Stolberger in ihnen dauerhaft Hof und Residenz hielten. Sie taten dies bis in das 20. Jahrhundert hinein.
![]() |
€
5,00 |











